tja.....
so beschreibt hermann bausinger im kapitel 'deutsche farben, deutsche hymnen' die geschichte der 'schwarz-rot-goldenen nationalflagge. untermalt von den 'deutschland-wird-weltmeister-rufen' tausender fussballbegeisterter, ist sein buch 'typisch deutsch - wie deutsch sind die deutschen' im moment meine lektüre. da ich gartenzwerge albern finde, sie aber gerne fotografiere, hat mich das cover des buches unmittelbar angesprochen.




nationalfarben machen nur sinn, wenn man sie auf den hintergrund einer nation und damit auf die geschichte bezieht. und die geschichte des 'deutschen nationalstaates' hat es in sich. die deutschen farben sollen nicht nur laut bausinger sondern auch laut preussen-chronik auf den 'turnvater jahn' zurückgehen, der 1813, zu beginn der befreiungskriege, wie viele turner freiwillig in das lützow'sche freikorps eintrat: „Mein Schild führt drei Farben: Schwarz-rot und gold, und darin steht Ehre, Freiheit, Vaterland (...)."
august von kotzebue, ein deutscher dramatiker (ludwig van beethoven hat mit seinem op.113 das musikalische nachspiel zu kotzebues 1912 zur feierlichen einweihung des theaters in pest auf die bühne gebrachten festspiels 'die 'ruinen von athen' geschrieben) wurde übrigens 1819 vielleicht auch deswegen ermordet, weil er die burschenschaften und turnerbünde angriff und den turnvater jahn verspottete.....bewegte, bewegende zeiten waren das damals, in denen einem leicht die orientierung bezüglich der konsequenzen der eigenen politischen haltung abhanden kommen konnte: z.b. standen die farben schwarz-rot-gold erst BEI MANCHEN ihrer verfechter AUCH für ein bekenntnis gegen die politische restauration ....1832 beim hambacher fest beispielsweise, als sie noch überwiegend demokratische und republikanische ziele repräsentierten. als das tragen der farben kurz darauf vom deutschen bund verboten wurde, geschah dies, weil sich die schwarz-rot-gold-tragenden reaktionären kräfte immer mehr durchgesetzt hatten. schliesslich im herbst 1849 - nach dem scheitern der 48er-revolution - als die verfechter einer republikanisch-demokratischen staatsform in der minderheit blieben, wurden die farben 'schwarz-rot-gold' von der nationalversammlung als die 'deutschen farben' anerkannt. die inhalte und ziele 'gingen' oder veränderten sich, die nationalfarben blieben bzw. setzten sich durch. bei heinrich heine lässt sich diese entwicklung in seinem 1851 gedicht 'michel nach dem märz' sehr gut nachvollziehen :
Doch als die schwarz-rot-goldene Fahn,
Der altgermanische Plunder,
Aufs neue erschien, da schwand mein Wahn
Und die süßen Märchenwunder.
Ich kannte die Farben in diesem Panier
Und ihre Vorbedeutung:
Von deutscher Freiheit brachten sie mir
Die schlimmste Hiobszeitung.
Schon sah ich den Arndt, den Vater Jahn
Die Helden aus anderen Zeiten
Aus ihren Gräbern wieder nahn
Und für den Kaiser streiten.
Die Burschenschaftler allesamt
Aus meinen Jünglingsjahren,
Die für den Kaiser sich entflammt,
Wenn sie betrunken waren.
Ich sah das sündenergraute Geschlecht
Der Diplomaten und Pfaffen,
Die alten Knappen vom römischen Recht,
Am Einheitstempel schaffen- (...)
einheitstempel heisst es da......EINHEITSSTEMPEL, das wort scheint mir, zumindest auf die jetzt-zeit übertragen, treffender.......bedenkenswert......
wildwuchs - Do, 22. Jun, 14:14